Learn 4 Life - Bildung für alle
Bildung und Ausbildung
Der thematische Schwerpunkt des UNESCO-Weltbildungsbericht 2012 lag auf den beruflichen Qualifikationen von Jugendlichen, was besonders im jetzigen Wirtschaftsklima von großer Relevanz ist. Der Bericht betont dass besonders Jugendliche, in Zeiten geprägt von der Finanzkrise und steigender Arbeitslosigkeit, berufsrelevante Kenntnisse und Schlüsselqualifikationen benötigen um einen Job auf dem Arbeitsmarkt zu ergattern.
Bildung für Alle bedeutet viel mehr als nur die Einschulung von Kindern. Bildung muss Schüler auf das spätere Leben vorbereiten, ihnen ermöglichen Kompetenzen zu erlangen um einen Beruf ausüben, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, einen Beitrag zur Gesellschaften zu leisten und sich selbst verwirklichen zu können. Laut diesem Weltbildungsbericht setzten sich die Kompetenzen, welche für den Arbeitsmarkt unabdinglich sind, aus drei Komponenten zusammen: Grundkompetenzen, wie Lesen, Schreiben und Rechnen ; übertragbare Kompetenzen wie Problemlösung, Führungsfähigkeiten und Kommunikation; und technische und berufliche Kenntnisse die mit einem spezifischen Beruf verbunden sind, welcher ein technisches Know-how abverlangt und zum Beispiel IT Kenntnisse miteinschließt.
Eine hochwertige Berufsausbildung trägt dazu bei Arbeitslosigkeit, soziale Ungerechtigkeiten und Armut zu verringern und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Ohne die nötigen Berufs-Kompetenzen sind Jugendliche in Entwicklungsländern gezwungen, einer unregelmäßigen Arbeit im informellen Sektor nachzugehen, welche sehr schlecht (zum Beispiel mit nur einem Dollar pro Tag) bezahlt ist. Es ist seit längerem bekannt, dass eine abgeschlossene Grundschulausbildung nicht ausreicht um einen gut bezahlt Job zu finden. Aus diesem Grund muss deshalb auch der Zugang zur Sekundarschule gewährleistet werden. Qualität in den weiterführenden Bildungsprogrammen ist auch entscheidend für den Erfolg im späteren Berufsleben: akademische Fächer wie Geschichte und Erkunde reichen nicht aus: der Schulunterricht muss mit arbeitsbasierten Ausbildungsprogrammen verbunden sein um Bildung relevant und praxis-orientiert zu gestalten. Es ist auch wichtig Maßnahmen zu ergreifen, welchen es jungen Menschen und Erwachsenen, welche nicht über die nötigen Basiskompetenzen wie Schreiben und Lesen verfügen, eine zweite Bildungschance zu ermöglichen. Das Potenzial der neuen Technologien, wie IKT (Informations-und Kommunikationstechnologie), sollte ausgeschöpft werden (siehe Fallbeispiel ICT4D im Bildungsbereich). Es ist hier aber anzumerken, dass eine hochwertige Ausbildung alleine auch keine Garantie für eine Arbeitsstelle ist, wenn es auf dem Arbeitsmarkt nicht genügend Berufsangebote gibt. In diesem Fall könnte der Schritt in die Selbstständigkeit eine mögliche Lösung sein. Ein Startkapital, um ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen, ist in diesem Falle aber auch eine Grundvoraussetzung. Mikrokredite können hier die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung stellen.
SOS Ausbildungszentren
SOS Kinderdorf liegt die Bildung und Ausbildung seine Schützlinge besonders am Herzen. Aus diesem Grund hat der weltweite Verein SOS-Ausbildungszentren errichtet um Jugendlichen eine Lehre in verschiedenen Berufen im Handels-, Industrie- oder Dienstleistungssektor zu ermöglichen. Die Ausbildungsprogramme sind auf die lokalen und regionalen Beschäftigungsmöglichkeiten ausgerichtet und entsprechen auch den nationalen Qualifikationsstandards. Zur Auswahl stehen die Lehre in folgenden Handwerksberufen: KFZ-Technik, Tischlerei, Kunstschmiede, Buchdruck, Klempnerei, Elektrotechnik, Töpferei, Schneiderei, Hauswirtschaft, Verwaltung (Bürokaufmann/frau), Kochen, Landwirtschaft und Tierzucht, und Informatik. Ziel der SOS-Ausbildungsprogramme ist es den Jugendlichen eine Perspektive auf einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten um ihnen damit den Weg in ein unabhängiges Erwachsenenleben zu ermöglichen. Einige SOS Ausbildungszentren bieten den Praktikanten auch Aushilfsjobs an damit sie dort wertvolle praktische Erfahrungen sammeln können und lernen wie sie ihre Produkte oder Dienstleistungen vermarkten können. Wenn irgendwie möglich arbeiten die Ausbildungszentren eng mit lokalen Unternehmen und Arbeitgebern zusammen, damit die Ausbildungsprogramme auch den Anforderungen des lokalen und regionalen Arbeitsmarktes entsprechen. Nach Beendigung ihrer Ausbildung erhalten die Jugendlichen auch ein staatlich anerkanntes Diplom oder Facharbeitszeugnis.
Ausbildung – eine Komponente der SOS-Familienstärkungsprogramme
Die Familienstärkungsprogramme von SOS-Kinderdorf sehen auch Ausbildung als Teil der Massnahmen vor – so können Eltern, oft alleinstehende Mütter, an Alphabetisierungskursen und anderen Schulungen teilnehmen. Ein festes, sicheres und korrektes Gehalt ist eine grundlegende Voraussetzung damit Eltern ihre Kinder gut erziehen und ihre alltäglichen Grundbedürfnisse gewährleisten können. Anhand von Mikrokrediten ermöglicht SOS-Kinderdorf den Projektbegünstigten auch ihr Unternehmenskonzept in die Tat umzusetzen und so ihr eigenes kleines Geschäft zu eröffnen, sei dies eine Schneiderwerkstatt oder ein Seifenladen.
Das Emanzipationsprogramm der Frauen von Conakry in Guinea
SOS Villages d’Enfants Monde unterstützt seit 2011 ein Emanzipationsprojekt in Guinea, welches in den Bezirken Enta Nord und Yattakay am Stadtrand von Conakry durchgeführt wird. Dort leben Familien, besonders alleinerziehende Mütter, welche der Armut wegen gezwungen waren ihre ländlichen Heimatdörfer zu verlassen. In Guinea leben rund 53% der Bevölkerung unter der der nationalen Armutsgrenze. Dieses Emanzipations- und Familienstärkungsprogramm ist Teil eines "Aktionsplans zum Schutz der Kinderrechte" der Europäischen Union mit dem Ziel die Geschlechtergleichheit zu fördern und die Rolle der Frau zu stärken. 200 Frauen und 886 Kinder sind die Begünstigten dieses dreijährigen Programmes, welches sich aus 4 Komponenten zusammensetzt: Berufsausbildung, Sensibilisierungsseminare zu Frauen- und Kinderrechten, Hilfe bei der Gründung eines Mikrounternehmens und Alphabetisierung der Frauen in ihrer Muttersprache, um so im die Frauen anzuregen, ihre eigene einkommensschaffende Aktivität (AGR) ins Leben zu rufen. 2013 ist der Schwerpunkt des Programmes die Gründung von kollektiven AGRs.
Funktionelle Alphabetisierung
Zwischen September 2011 und Mai 2012 haben die 200 Frauen Kurse in funktioneller Alphabetisierung (Silbentrennung, einfache und zusammengesetzte Wörter, einfache Sätze und Abschnitte, einfache Rechenaufgaben) im Sozialzentrum von Conakry belegt. 6 Lerngruppen wurden gebildet welche den drei lokalen Sprachen (Soussou, Maninka und Pulaar) und dem Bildungsniveau der Frauen angepasst waren. Nach nur mäßigen Lernergebnissen wurde entschieden die Kurse noch länger anzubieten.
Berufsausbildungen
Vor Programmbeginn variierte das Einkommen der Frauen je nach Jahreszeit und reichte oft nicht aus um die Bedürfnisse der Familie zu erfüllen. Deshalb werden ab September 2011 6 Ausbildungskurse im Sozialzentrum von Conakry angeboten, welche es den Frauen ermöglichen werden sich ein zweites berufliches Standbein aufzubauen. 2012 wurden dann das ganze Jahr über Seminare von 6 bis 8 Tagen organisiert, welche sowohl Theorie als auch Praxis kombinieren. Die Frauen haben sich vor allem für die Ausbildungszweige entschieden, welche es ihnen ermöglichen Produkte schnell herzustellen und auf dem Markt zu verkaufen- Seifen, Färben von Textilien, Verarbeitung und Konservierung von Lebensmitteln. Weit weniger Frauen hatten sich in Kursen in Hauswirtschaft eingeschrieben und nur sehr wenige in die Näh-und Friseurkurse, welche auch länger dauern und eher an die jüngeren Teilnehmer angepasst sind. Die Programmfortschritte wurden anhand von Halbjahresauswertungen dokumentiert.
Theoretische/praktische Workshops
2012 haben 47 Frauen die Ausbildung in Bezug auf die Verarbeitung und Konservierung von Lebensmitteln (12 Sitzungen während 8 Tagen) besucht und können schon bestimmte Techniken benutzen, um Fruchtsäfte, Sirup, Konfitüren und eingelegtes Gemüse herzustellen. Praktische Workshops über die Haltbarkeit und die Verarbeitung von Getreide sowie die Kenntnisse und die Nutzung von Maschinen stehen auf dem Programm von 2013.
Das Seminar zur Herstellung von Seifen wird am meisten besucht und hat so 60 Frauen (30 % der Teilnehmer) während 12 Sitzungen von 8 Tagen zusammengebracht. 85% von ihnen können, unter Aufsicht des Ausbilders lokale Seife (Kabakoudou und Omo safounyi) herstellen, die gebraucht wird, um Wäsche zu waschen und das Haus zu putzen. Im Laufe des Jahres 2013 werden sie lernen, parfümierte Seifen in Stücken und als Puder herzustellen. 55 Frauen haben sich in den Färberei-Workshop (12 theoretische/praktische Sitzungen) eingeschrieben. Die Färbung von Textilien ist eine der meistgeschätzten Aktivitäten weil sie gut bezahlt wird. 70% dieser Teilnehmer wissen nun wie sie Farben mischen, Tücher, Tuniken und Brotsäcke färben, falten, befestigen, einweichen, waschen und trocknen. Die Frauen werden auch lernen wie sie schwierigere Motive herstellen können und die Textilien mit unterschiedlichen Farben bedrucken können. 24 Frauen haben den Kurs Hauswirtschaftslehre (Lebensmittelhygiene, Vorbereitung von Mahlzeiten, Bedingungen) erfolgreich nach 20 Sitzungen innerhalb von 7 Tagen abgeschlossen. 4 von den 6 Frauen die sich in den Schneiderei-Workshop eingeschrieben haben, können Maβ nehmen, einfache Schnitte machen und mit einer Nähmaschine arbeiten; sie werden in Zukunft lernen, Kleider für Männer und Frauen anzufertigen. 8 Frauen lernen das Friseurhandwerk. Aus Mangel an Teilnehmern musste die Ausbildung zur Kosmetikerin eingestellt werden.
Spezielle AGR-Kurse
Die 200 Begünstigten des Programms haben ausserdem Buchhaltungs- und Marketing-Kurse der Ausbildungseinrichtung CIFADE besucht, die auf die Umsetzung und die Verwaltung einer einkommensschaffenden Berufsaktivität ausgerichtet sind (8 Gruppen wurden hier gebildet, unterteilt in die drei lokalen Sprachen). Die Ausbildungsmodule fokussierten sich auf Unternehmungsgründung, Profil und Eigenschaften eines Unternehmens, Unternehmenspartner, Vereinbarkeit von Berufs-und Familienleben, Marktanalyse und die Positionierung eines Unternehmens. Die bisherigen Ergebnisse sind ermutigend: die Frauen haben sich die Ideen der unternehmerischen Initiative und Marketingstrategien angeeignet.
Geschäftsplan
Das Mikrofinanzinstitut CPECG Yètè Mali hat die Frauen in der Ausarbeitung ihres Geschäftsplans begleitet, der für die Gründung und Führung ihrer AGR wichtig ist. 200 Begünstigte haben 2012 ihren Geschäftsplan erstellt. 147 Frauen haben Gemüse und Würzmittel für die Küche verkauft, 13 andere Lebensmittel, 23 Kleider, 3 Schuhe… Alle dürften mit der Zeit eine zweite einkommensschaffende Maßnahme starten.
Rückzahlung der Kredite
Während Yètè Mali die Frauen finanziell in ihren Aktivitäten unterstützt, ihnen Kredite zur Verfügung stellt und die Rückzahlungen dieser Kredite überwacht, müssen die Frauen ihre Aktivitäten leiten, Einzahlungen auf ihr Konto tätigen damit sie ihren Kredit rückerstatten können und Geld sparen können. Die Vertreter des Mikrofinanzinstituts Yètè Mali und der Verantwortliche der AGR beaufsichtigen diesen Finanzbereich welcher noch verstärkt werden muss. Auch wenn im Jahr 2012 200 Konten in verschiedenen Finanzinstituten und Banken des Yètè Mali eröffnet werden, so haben doch viele Teilnehmerinnen bisher die Fristen der Kreditrückzahlungen nicht einhalten können.
Gemeinschaftliche Projekte
Auch wenn die Frauen es zunächst vorgezogen hatten, ihre einkommensschaffenden Maßnahmen individuell auf die Beine zu stellen ehe sie sich in wirtschaftliche Interessengruppe zusammenfinden, haben sie sich nach anfänglichen Schwierigkeiten dazu entschieden doch gemeinsam zu arbeiten. Die Programmbegünstigten erhalten so die nötige Unterstützung um sich in Kooperativen zusammenzutun und ihre Aktivitäten gemeinsam auszuarbeiten. Das Programmteam wird sie auch auf diesem Schritt tatkräftig unterstützen – sei es durch Sensibilisierungsseminare, Ausbildungsangebote, Rat bei der Organisation der Interessengruppen, oder Hilfe bei der Beschaffung von juristischen und administrativen Dokumenten. 3 Gruppen von je rund 10 Frauen sind dabei Kooperativen in den Bereichen der Seifenverarbeitung und Textilfärbung zu gründen. Wie man sieht, steht mittlerweile die Gründung der kollektiven AGRs im Mittelpunkt des Emanzipationsprogrammes für Frauen in Conakry.