Learn 4 Life - Bildung für alle
Bildung in Konfliktgebieten
2011 veröffentlichte die UNESCO den 9. Weltbildungsbericht, mit dem Hauptschwerpunkthema Bildung und Konflikte. Bewaffnete Konflikte gehören zu den größten Entwicklungsherausforderung eines Landes, da sie nicht nur der Ursprung von Leid, Armut und Ungerechtigkeit sind, sondern auch den Wirtschaftswachstum untergraben und Bildungsperspektiven zerstören. Laut des UNESCO-Bericht lebten in 2008 rund 40% der Kinder, welche nicht die Schule besuchen, in einem Land welches von Krieg oder einem gewaltsamen Konflikt heimgesucht wird; das sind ungefähr 28 Millionen Kinder.
Bildung ist nicht nur ein Menschenrecht, es ist eines der wirksamsten Waffen der Entwicklungshilfe, es verhindert Konflikte und trägt zum Wiederaufbau von Ländern bei. Deshalb ist es von grundlegender Bedeutung, dass alle Kinder Zugang zur Bildung haben, was voraussetzt, dass die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen, damit das Ziel „Bildung für Alle“ erreicht werden kann. Kriege und Konflikte haben auch die Vertreibung von Bevölkerungen zur Folge. Einige Menschen sind gezwungen ihr Zuhause zu verlassen, sei es um in einem anderen Teil ihres Heimatlandes Zuflucht zu suchen oder sogar um ins Ausland zu fliehen. Dem 2011 Weltbildungsbericht zufolge, wurden mehr als 43 Millionen Menschen, aufgrund von bewaffneten Konflikten, vertrieben. Diese Flüchtlinge stehen vor großen Hürden, was den Zugang zur Bildung anbelangt und sind deswegen extrem benachteiligt. Bildung in Flüchtlingslagern zu gewährleisten ist schwierig: Lehrer sind nicht ausreichend ausgebildet, das Lehrer-Schüler-Verhältnis ist sehr hoch, es mangelt an Klassenräumen, und das Angebot auf der Ebene der Sekundarstufe ist nicht ausreichend. Dies ist besonders von Nachteil für junge Menschen, die daher leichter von Rebellengruppen rekrutiert werden können. Darüber hinaus ist in vielen Zufluchtsländern den Flüchtlinge nicht erlaubt, das öffentliche Bildungssystem zu besuchen oder andere grundlegende Dienste in Anspruch zu nehmen.
SOS Kinderdorf International ist davon überzeugt, dass jedes Kind ein Recht auf Bildung hat, unabhängig von seinem Hintergrund, seiner Sprache, seiner ethnischen Zugehörigkeit, seiner Religion oder seines Einwanderungsstatus. Wir setzen uns deshalb dafür ein dass besonders Kinder, welche ihre Eltern verloren haben, den Zugang zur Bildung gewährleistet bekommen, auch wenn diese Kinder in Kriegsgebieten oder Konfliktzonen leben, wie folgendes Beispiel bezeugt.
Bildung im Flüchtlingslager von Chettikulam im Norden Sri Lankas
Auf Grund gewaltsamer Kämpfe, die während des Bürgerkriegs im Norden Sri Lankas ausgetragen wurden, sind hunderttausende Menschen im April 2009 im Flüchtlingslager von Chettikulam eingetroffen, darunter hunderte von elternlosen Kindern.
Im Mai 2009 wurde das Ende des Bürgerkrieges bekanntgeben und seit August desselben Jahres, kümmert sich SOS Kinderdorf um etwa 200 elternlose Kinder im Flüchtlingslager von Chettikulam, in der Nähe von Varuniya, dem „neuen Zuhause“ von rund 250.000 Binnenflüchtlingen. Unsere Organisation hatte ein temporäres Nothilfeprogramm auf die Beine gesetzt, um den Kindern, die Hälfte von ihnen im Alter zwischen 11 und 15 Jahren, die Möglichkeit zu bieten den Schulunterricht zu besuchen. Zwei Kantinen und ein Schlafsaal wurden zu Klassensälen umgewandelt und ehemalige öffentliche Grundschullehrer Lehrern, die selbst Flüchtlinge sind, haben sich abgewechselt, um die Kinder in verschiedene Fächern wie Mathematik, Tamil, Englisch, Naturwissenschaften und Tanz zu unterrichten. Alle Schüler werden laut dem offiziellem Curriculum unterrichtet und müssen auch die offiziellen Prüfungen und Klausuren ablegen, damit sie nach dem Verlassens des Flüchtlingslagers wieder in öffentliche Schulen integriert werden können. Am Wochenende konnten die Kinder an außerschulischen Aktivitäten teilnehmen, wie Singen, Tanzen, Theater, Fußball, Volleyball und andere Sportarten. Nach all dem Schrecklichen was diese Kinder erlebt haben, erlauben ihnen Schule und Freizeit einen geregelten Tagesablauf und geben ihnen das Gefühl so etwas wie ein ganz normales Leben zu führen.
Ein Schulbesuch hat nicht nur pädagogische Vorteile, wie den Erwerb von Wissen und Fähigkeiten, sondern er fördert auch die individuelle Entwicklung des Kindes. Er hilft Kindern ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Ein besonders Merkmal dieses Bildungsprojektes ist die Mittwochs-Sitzung, in denen Kinder und Jugendliche die Möglichkeit hatten, über ihre Anliegen und ihre Wünsche zu sprechen und offen Fragen zur Berufsausbildung, dem Leben nach dem Flüchtlingscamp und ihrer Zukunft stellen zu können. Leider haben die Behörde im November 2010 beschlossen, die Zone 4 des Flüchtlingslagers von Cheddikulem zu schließen. SOS-Kinderdorf wurde damit gezwungen sein Nothilfeprogramm einzustellen. Vor der Schließung war es aber möglich 120 von den 200 Kindern ihren leiblichen Eltern zuzuführen, die verbleibenden Kinder sind nach Jaffna umgezogen. SOS Kinderdorf hat dort vier Häuser gemietet wo diese Kinder wohnen, während sie auf die Eröffnung des neuen Kinderdorfes warten, das seit Februar 2012 in Bau ist.